japanische Kunst.


japanische Kunst.
japanische Kunst.
 
Wesentliche Impulse zur Entfaltung seiner Kunst erhielt Japan v. a. von China (Übernahme der chinesischen Kultur und Schrift; Einführung des Buddhismus im 6. Jahrhundert), aber auch von Korea. Dem Import fremder Kunstformen und Stilrichtungen folgten jeweils besonders schöpferische Epochen der Adaption und Ausbildung spezifisch japanische Formen und Techniken in allen Kunstzweigen. Dabei konnten je nach Bindung an religiöse Vorstellungen (Shintō, Konfuzianismus und Buddhismus, besonders Zen) oder an soziale Klassen verschiedener Stilrichtungen nebeneinander bestehen.
 
 
Nach archäologischen Kriterien lassen sich die japanische Vorgeschichte und das Altertum in folgende Perioden unterteilen:
 
1) Jōmonkultur (»Schnurmuster«, 8. Jahrtausend bis 3. Jahrhundert v. Chr.). Aus dieser Zeit ist handgeformte Keramik mit schnurartigem Dekor erhalten, gegen Ende zum Teil in bizarren Formen (kugelige Kannen und Schalen) und dichtem geometrischem Dekor (Spiralmuster), der auch den eigentümlichen stilisierten Tonfigürchen (Dogū) und Masken der späteren Jōmonepochen eigen ist. Erhalten ist auch Schmuck aus Knochen, Horn, Tierzähnen, Muscheln, Ton und Stein.
 
2) Yayoizeit (3. Jahrhundert v. Chr.-3. Jahrhundert n. Chr.), benannt nach der ersten Fundstätte (in Tokio) dieser vermutlich von Einwanderern getragenen Kultur mit chinesischen Bronzespiegeln (Kagami), -waffen und -glocken (Dōtaku), die geometrisch und figürlich verziert sind. Weiterhin fand sich aus rotem Ton gebrannte Keramik, zum Teil bemalt, poliert, mit Schnur- oder Kammmuster, v. a. als Grabbeigaben in Dolmen. Der Gebrauch der Drehscheibe wurde von Korea übernommen; Münzbeigaben lassen eine genaue Datierung zu.
 
3) Kofunperiode (3.-6. Jahrhundert), benannt nach Dolmen mit Schlüssellochgrundriss. Diese wurden begrenzt mit Tonzylindern, die später mit Figuren gekrönt wurden (Haniwa). Als Grabbeigaben fanden sich neben Bronzegegenständen und hart gebrannter Keramik (Sue-Keramik) auch Schmuck, Waffen, Rüstungen, Pferdegeschirr u. a. Einige Grabkammern haben geometrische, zum Teil auch figürliche, eingeritzte oder aufgemalte Wanddekorationen, die koreanischen Einfluss zeigen.
 
 Asuka- und Hakuhōzeit (552-710)
 
Mit der Übernahme des Buddhismus (buddhistische Kunst) während der Asukazeit (552-645) verstärkte sich der chinesische und koreanische Einfluss. Die Shintōarchitektur bewahrte jedoch frühgeschichtliche Baustile in den Schreinen von Ise und Izumo in Holzpfahlbauweise mit Veranda, Satteldach, walzenförmigen Querhölzern über dem First und lang aufragenden gekreuzten Giebelsparren. Buddhistische Tempelklöster entstanden seit Ende des 6. Jahrhunderts nach chinesischem Vorbild. Anders als in Korea (koreanische Kunst) sind in Japan Tempelanlagen aus dieser Zeit mit der axialen Anordnung der Bauten erhalten, wie der Shitennōji in Ōsaka von 588, der mit dem Hōryūji bei Nara (gegründet 607) zu den ältesten buddhistischen Tempelanlagen Japans gehört. Typisch für diese Tempel ist der hölzerne Ständerbau mit Konsolgebälk und ausladenden Ziegeldächern. Die frühe buddhistische Skulptur, besonders Holz- und Bronzeplastik, ist stark von Korea und dem Stil der chinesischen Weidynastie beeinflusst. Im Hōryūji blieben u. a. als Bronzeguss der Yakushibuddha (607) und die archaisch-strenge Shakatrias (623) des Bildhauers (Busshi) Tori erhalten und als Beispiel religiöser Malerei nach chinesischem Vorbild die Bemalung des Tamamushischreins. In der Hakuhōzeit stand Japan in direkter Beziehung zum chinesischen Tangreich, die Skulptur schließt jedoch noch an die Formen der Vor-Tangzeit an (Mirokustatue aus Holz im Kōryūjitempel in Kyōto, ebenso im Chūgūjitempel in Nara; beide Mitte 7. Jahrhundert). Aus dieser Epoche stammt auch der Yakushijitempel (680 in Asuka gegründet, 718 nach Nara verlegt). Die Wandgemälde der »Goldenen Halle« (Kondō) des Hōryūji (um 700) im reifen Tangstil (1949 bei einem Brand fast völlig zerstört) erinnern stark an die indischen Wandgemälde in Ajanta.
 
 Narazeit (710-784)
 
Auch in dieser Zeit folgte die Kunst fast völlig dem »klassischen« Stil der Tangkunst Chinas. Von den gewaltigen Tempelanlagen der ganz nach chinesischem Vorbild (Chang'an) schachbrettartig angelegten Hauptstadt Nara blieben nur wenige Bauten erhalten: ein schlichter Andachtsraum (Hokkedō, 733), Schatzhaus (Shōsōin, vor 756) und das Tor Tengaimon des Staatstempels Tōdaiji; Haupthalle (Kondō) des Tōshōdaiji u. a. Vom Kaiserpalast ist nur noch der symmetrische Grundriss erkennbar. Etwa 200 Skulpturen blieben erhalten. Der gewaltige Bronzeguss des 16 m hohen »Großen Buddha« (Daibutsu) des Tōdaiji (geweiht 752) wurde mehrfach restauriert und neu gegossen. In vollendeter, rundplastischer, gelöster Form zeigt sich die Yakushitrias des Yakushijitempels (frühes 8. Jahrhundert, Bronze). Die neuen Materialien Trockenlack (Kanshitsu) und Ton ermöglichten ebenso monumentale wie dramatisch bewegte Gestalten, die v. a. Schutzgottheiten darstellen. Als neue Gattung trat das Priesterporträt hinzu. Infolge der wachsenden Bedeutung der Holzskulptur verlor sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts die realistische Darstellungsart chinesischen Ursprungs, und die Blockhaftigkeit der Figuren nahm zu. Das Gewand wurde zu wellenförmigen Faltengraten gestaltet.
 
Aus der Narazeit sind die ältesten Bildrollen (Emakimono) chinesisch-buddhistischen Typs erhalten. Auch datieren aus dieser Zeit Textillustrationen zum Lebensweg Buddhas (E-ingakyō), das auf Seide gemalte Kultbild der Glücksgöttin Kichijōten (771, im Yakushijitempel) und meist profane Bilder auf Musikinstrumenten, Bannern und Stellschirmen im Shōsōin. Weltliche Bilderzyklen entstanden im höfischen Malereiamt, das chinesische Palastwerkstätten zum Vorbild hatte.
 
 Heianzeit (794-1185)
 
In der Heianzeit ließ der Kontakt zu China nach. Die 1. Hälfte (bis 897) wird vom esoterischen Buddhismus der Shingon- und der Tendai-Schule bestimmt, deren Hauptkultstätten die Bergklöster auf dem Hiei bei Kyōto und auf dem Kōyasan waren. Beliebte Motive in der Skulptur waren die verschiedenen Manifestationen des Mahavairocana Buddha (japanisch Dainichi), bevorzugtes Material war Holz. Die Figuren, aus einem Block gearbeitet (Ichibokuzukuri), sind von massiger Schwere. Die 2. Hälfte der Epoche, die Fujiwarazeit, brachte eine Japanisierung von Kunst und Kultur. Der verfeinerte Stil der Hofgesellschaft zeigt sich auch in der Architektur, in zierlichen Bauten mit üppiger Innenausstattung. Im Shindenstil werden Wohngebäude in einer naturnahen umwallten Gartenanlage um einen künstlichen See angeordnet und mit gedeckten Wandelgängen verbunden. Durch den Umbau gestifteter Wohnsitze entstand eine neue Art von Tempelanlagen. Einzig erhaltenes Beispiel ist die Phönixhalle (Hōōdō) des Byōdōin bei Uji (1053). Die Bildhauerkunst gewann an graziler Eleganz und Bewegtheit. Holzskulpturen wurden nicht mehr aus einem Stück gearbeitet, sondern zusammengesetzt (Yosegi-zukuri). Der Mitte des 11. Jahrhunderts führende Bildhauer Jōchō (✝ 1057) schuf mit dem vergoldeten Amida der Phönixhalle das Meisterwerk der Fujiwarazeit, das zum klassischen Vorbild für spätere Skulpturen wurde. Die dazugehörigen Bodhisattva (japanische Bosatsufiguren) sind aus der gleichen Werkstatt. Unter dem Einfluss der Amidaschule (Jōdo-shū) rückte das Erlösungsbild in den Mittelpunkt buddhistische Malerei (Amida-raigō u. a.), in die auch japanische Landschaftselemente mit einbezogen wurden (z. B. Wandgemälde der Phönixhalle des Byōdōin).
 
Im 10. Jahrhundert löste sich die Malerei vom chinesischen Tangstil und entwickelte allmählich eine spezifisch japanische Qualität, die als Yamato-e (japanische »Malerei«) bezeichnet wird. Die Bilder zeigen zarte Farben, einen Hang zu weicher Schönheit und Rundung der Linien und sind zum Teil raffiniert mit geschnittener Goldfolie (Kirigane) ausgelegt (Fujiwarastil). Sutrenrollen und -schriften wurden mit figürlichen und landschaftlichen Darstellungen geschmückt. Auch Stellschirme, die kultischen Zwecken dienten, wurden mit Landschaftsbildern in Farbmalerei versehen. Neben der religiösen entwickelte sich die weltliche Malerei, meist in Form von in Thematik und Technik eigenständigen Emaki, langen Querrollen mit (später fortlaufender) Darstellung einer Geschichte. Lyrisch-höfischen Charakter offenbaren die Querrollen des Genji-monogatari (1. Hälfte 12. Jahrhundert) mit parallel-perspektivischer Raumordnung, opaken Farben und Stilisierung der Figuren, die in der Folgezeit die Tosa-Schule übernahm. Dramatisch bewegt im Pinselstrich sind die Bilderzählung des Bandainagon-Ekotoba (Mitte 12. Jahrhundert), die Chronik des Tempels Chōgosanji auf dem Shigisan (Shigisan-engi, 2. Hälfte 12. Jahrhundert) und die satirische Emaki mit Tier- und Menschenkarikaturen (im Kōzanjitempel bei Kyōto), die mit der Virtuosität und Spontaneität des Pinselduktus den Einfluss der chinesischen Songmalerei ankündigen. Die Entwicklung der Schrift, die in Ostasien höher als die Malerei gewertet wird, führte zu rein japanischen Formen (Kalligraphie). Das Schreiben von Gedichten in der neu entwickelten Kana-Silbenschrift auf »Farbpapieren« (Shikishi) mit Untergrundmalerei oder auf schmalen Papierstreifen (Tanzaku) in fließendem Pinselduktus wurde zur höfischen Unterhaltung. Auch das Kunsthandwerk zeigte nun Ornamente japanischen Gepräges, besonders auf Bronzespiegeln und in der Lackkunst (Kästen und Truhen mit reinem Goldlackgrund oder Schwarzlackgrund, oft mit verschiedenen Einlagen kombiniert). In Webereien und Färbereien entstanden hervorragende Arbeiten; aus der chinesischen Tracht wurde der Kimono entwickelt. Im Hausbau traten an die Stelle der Klappfenster die Shōji (Schiebewände), der Holzboden wurde, zunächst nur teilweise, mit dicken Matten (Tatami) belegt.
 
 Kamakurazeit (1192-1333)
 
Mit der Neugründung des Shogunats in Kamakura bildete sich dort ein neues Kulturzentrum neben dem der Kaiserstadt Kyōto. Harter, kriegerischer Geist kennzeichnet diese Glanzepoche japanischen Rittertums. Die Einführung des Zen-Buddhismus wirkte sich zunächst nur auf die Architektur aus. Nach dem Muster der Songklöster baute man Tempel im chinesischen Stil (Kara-yō), axialsymmetrische Anlagen mit steinernen Plattformen und hohen, schweren Ziegeldächern, z. B. den Kenchōji in Kamakura (1253), den Nanzenji (1293) und den Daitokuji (1324) in Kyōto. Der Stil der Kriegerwohnsitze (Bukezukuri) ist eine Vereinfachung des Shindenstils. Die Restaurierung der durch Kriege zerstörten Tempel und Bildwerke in Nara führte zu einer Renaissance des bewegten »Nararealismus« des 8. und 9. Jahrhunderts. Hinzu kamen Einflüsse der chinesischen Songzeit. Seit dem 11. Jahrhundert existierten Bildhauerwerkstätten (Bussho), die die Tradition des Jōchō fortführten. Besonders produktiv ist die Keischule am Kōfukujitempel in Nara: Kōkei (um 1150), Unkei (* 1148, ✝ 1223), Kaikei (* 1174, ✝ 1253), Jōkei (um 1200) und Tankei (* 1173, ✝ 1256). Ihre Werke entfernten sich von der Linienschönheit der Fujiwaraskulptur und sind mit tiefen Einschnitten, starker Körpermodellierung und naturalistisch wirkenden, eingelegten Kristallaugen typisch für den Kamakurōstil der religiösen Plastik. In den Bussho entstanden auch hervorragende Masken. Naturalistische Tendenzen zeigen auch die höfische Porträtmalerei (Nise-e), deren Hauptwerke Fujiwara Takanobu (* 1142, ✝ 1205) zugeschrieben werden, und die besonders im 14. Jahrhundert populären Priesterporträts (Chinsō). Das Yamato-e erreichte seinen Höhepunkt mit historisch-schildernden und religiös-propagandistischen Emaki (Kitano-Tenjin-engi, 1219, Heiji-monogatari, 13. Jahrhundert, u. a.). Auch die monochrome Tuschmalerei im Songstil (Suiboku-ga) fand Anhänger (satirische Emaki, ikonographische Skizzen, Priesterporträts, einzelne Naturbilder). Die buddhistische Kultmalerei wurde durch Einbeziehung shintoistischer Themen (Miyano-mandara) bereichert. Im Kunsthandwerk zeigen Lackgeräte, Schreib- und Toilettenkästen im Dekor Verbindung zum Yamato-e; es entstanden die ersten reliefierten, geschnittenen Lackarbeiten (Kamakurabori) und glasierte Seladon- und Chien-yao- (japanische »Temmoku«-)Keramik nach chinesischem Vorbild (seit 1230 in Seto). Die Waffenschmiedekunst und die Herstellung von Rüstungen erlebten in dieser kriegerischen Zeit eine Hochblüte. Die klassische Form der japanischen Rüstung (Dō) wurde von den Plattnermeistern der Myōchin-Familie geschaffen, deren Namen auch als Meister von Schwertstichblättern (Tsuba) überliefert sind.
 
 Muromachizeit (1338-1573)
 
In der Muromachizeit stand die Kunst ganz unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus. In die profane Architektur wurde der Shoinstil der Zenklöster übernommen, wodurch sich die noch heute gültige Grundform des japanischen Hauses ergab. Ebenfalls unter Einfluss des Zen entstanden das Teehaus (Chashitsu) und eine verfeinerte Gartenkunst (Ginkakaji und Ryōanji in Kyōto). In die Shintōarchitektur drangen verstärkt buddhistische Elemente ein. Die buddhistische Kultplastik und -malerei stagnierten. Neu waren die Nō-Masken, die im Gegensatz zu den früheren Masken (für Tempeltänze) menschliche Charaktertypen darstellen. Die eigentliche Kunst der Zeit ist jedoch die zenorientierte und chinesisch inspirierte Tuschmalerei, gefördert durch die sammelfreudigen Shōgune. Malende Zenpriester studierten und kopierten die großen chinesischen Maler der vergangenen Südsongzeit. Minchō, Josetsu (✝ 1405) und Shūbun, Abt im Shōkokuji zu Kyōto, sind die Klassiker der japanischen Tuschmalerei (Suiboku-ga). Aus Shūbuns Schule gingen u. a. Nōami (* 1397, ✝ 1471), Sōami, der Gründer der Kanōschule Kanō Masanobu und der Meister der japanischen Landschaftsmalerei Sesshū hervor. Nach anfänglichen kleinen Formaten wurden bald auch Stellschirme (Byōbu) und Wände Bildträger für Tuschmalerei. Auch auf die Lackkunst wirkten Kompositionsweise und Motive der chinesischen Tuschmalerei. Relieflack, abgegriffen wirkender Negorolack und eingelegte Gold- und Silberfolie (Heidatsu) gelangten zu hervorragender Ausführung. Führende Künstlerfamilien waren die Kōami und Igarashi, Meister der Schwertzierrate die Gotō.
 
 Momoyamazeit (1568-1603)
 
Für diese von Luxus und Prunksucht erfüllte Epoche der »drei Militärdiktatoren« ist eine dekorative Kunst kennzeichnend, die, losgelöst von religiösen Bindungen, zu Repräsentationszwecken entstand. Die pomphaften Palast- und Schlossbauten sind bis auf wenige Reste vernichtet, zum Teil erhalten blieben die Burg des Nobunaga in Azuchi am Biwasee, das Schloss von Ōsaka und der Jūrakudaipalast in Kyōto. Teile dieser Bauten haben einen neuen Standort gefunden (u. a. im Nishi Honganji in Kyōto). Erhalten blieb u. a. die Burg von Himeji. Adels- und Priesterwohnsitze wurden im Shoinstil erbaut, mit asymmetrisch arrangierten Bauten von oft gewaltigem Ausmaß. Stiltypisch sind Bildnischen (Tokonoma), die versetzt angebrachten Wandregale (Chigai-dana), reich verzierte Schiebetürzugänge (Chōdaigamae), das »angefügte Schreibstudio« (Tsukeshoin) und Kassettendecken. Für diese Bauten sind außerdem reiche Holzschnitzereien und Metallbeschläge kennzeichnend. Die Ausstattung dieser Paläste fiel den Meistern der Kanōschule zu, voran Kanō Eitoku und Kanō Sanraku, die in lebhaften Farben auf Goldgrund prächtige Malereien auf Stellschirmen (Byōbu) und Schiebewänden (Fusuma) schufen. Auch die Ankunft der ersten Europäer und das Leben der Missionare wurde auf Stellschirmen dargestellt (Nambankunst). Mit großflächigen, dekorativen Werken in Tempelwohnbauten knüpften die Meister der Tuschmalerei, Kaihō Yūshō (* 1533, ✝ 1615) und Hasegawa Tōhaku (* 1539, ✝ 1610), direkt an die chinesische Songmalerei an. Auch Lackarbeiten wurden reicher dekoriert. Bei den Kōdaijilacken (um 1600) wird die Goldstreutechnik (Maki-e) eingesetzt. Die Metallkunst war hoch entwickelt (Waffen, Schwertzierrat und Metallbeschläge an Bauten).
 
Die großen Lehrer der Teezeremonie, Sen no Rikyū (* 1522, ✝ 1591) und Kobori Enshū (* 1579, ✝ 1647), wirkten als Meister der Ästhetik. Verhaltene Schlichtheit der Form, wie sie die Teezeremonie verlangte, zeigte sich besonders in der Gartenkunst und der Keramik (Chaki). Diese entstand unter Einfluss koreanischer Töpferwerkstätten auf Kyūshū und in den seit der Kamakurazeit etablierten Keramikzentren wie Shigaraki und Bizen. In Kyōto begann die Produktion des Raku-yaki.
 
Die Textilkunst zeigt große Prachtentfaltung, v. a. bei den reichen Nō-Gewändern. Die Shintōanlagen wurden ganz buddhistischen Tempelbauten angepasst.
 
 Edozeit (1603-1868)
 
Die Edozeit ist eine 250-jährige Friedenszeit, in der, vom Ausland weitgehend isoliert, eine bürgerliche Kunst und Kultur entstand, die von Edo, der neuen Hauptstadt der Tokugawashōgune, ihren Ausgang nahm. In der Genrokuzeit (1688-1704) hatte noch die Kaiserstadt Kyōto das kulturelle Übergewicht; dort wirkte, getragen von Adel und Großbürgertum, der Geist der Momoyamazeit nachhaltig weiter (z. B. in der Kakemonomalerei, der Malerei auf Hängerollen). Selbst die prunkenden Mausoleumsbauten der Tokugawa in Nikkō setzten den üppigen Momoyamastil fort. Die eigentlichen baulichen Kunstwerke der Zeit aber, neben Neubauten alter oder zerstörter Tempel in nur unwesentlich gewandeltem traditionellem Schema, sind raffiniert einfach gestaltete Villen und Teehausbauten (Katsura und Shūgakuinvillen in Kyōto). Später verlagerte sich das Interesse auf Repräsentationsbauten für das städtische Bürgertum, wie Schulanlagen und Theater für das populäre Kabuki. Während der frühen Edozeit erlebte die dekorative Malerei mit den genialen Künstlern Kōetsu und Sōtatsu einen neuen Aufschwung. In ornamental-dekorativer Umformung klassischer Themen des Yamato-e verschmolz Kōetsu Bild und Schrift auf Gedichtblättern (Shikishi), während Sōtatsu monumentale Bilder auf Stellschirmen und Fusuma schuf. Von ihnen inspiriert ist das Brüderpaar Ogata Kōrin und Ogata Kenzan, die in gekonnter Stilisierung nicht nur Stellschirme bemalten, sondern auch wegen ihrer Entwürfe für Teegeräte und Lackkunst berühmt sind. Hofmaler in Edo wurden die Meister der Kanōschule, am bekanntesten Kanō Tanyū, der 1621 nach Edo berufen wurde. Matabei entwickelte einen Stil, der die Richtung der Kanōmalerei mit der der Tosaschule verband, die, nach Kyōto zurückgekehrt, den Stil des Yamato-e weiter praktizierte. Wirkliche Popularität aber erlangte das Ukiyo-e, die Malerei des Modischen und des Großstadtlebens, wie es sich im Theater, im Teehaus und in Yoshiwara (Freudenviertel Edos) abspielte. Ausgehend von manieristischen Genrebildern (von Meistern der Kanōschule inoffiziell seit der Ashikagazeit gemalt), wurde das Ukiyo-e jetzt zur Massenkunst. Der Begründer des Ukiyo-e-Holzschnitts war Moronobu. Die Technik der zunächst handkolorierten Blätter (Tan-e) wurde 1742 durch Hinzufügen von zwei Farbplatten (Beni-zuri-e) zum Vielfarbendruck weiterentwickelt (Nishiki-e, 1765). Bedeutende Meister waren Harunobu, Sharaku, Kiyonaga, Utamaro, der geniale Hokusai und Hiroshige. In der 2. Hälfte der Edozeit wurde die japanische Malerei erneut durch chinesische Einflüsse bestimmt: Einmal wurde die Literatenmalerei (Bunjinga oder Nanga) in Japan bekannt, die den konfuzianisch-literarischen Neigungen der Zeit entsprach. Andererseits wuchs das Interesse an naturalistischer Darstellung, inspiriert vom europäischen Kupferstich und der farbenprächtigen akademischen Blumen- und Vogelmalerei der Mingzeit, vermittelt von dem chinesischen Maler Shen Nanpin, der 1731-33 in Nagasaki wirkte. In den Werken der japanischen Literatenmaler Yosa Buson, Ike no Taiga und Bunchō verschmelzen beide Richtungen zu einem individuellen Stil.
 
Entscheidende Bedeutung für die neuere japanische Kunst hatte die Maruyamaschule, deren Gründer Maruyama Ōkyo Guckkastenbilder mit Zentralperspektive wie auch Naturstudien schuf, die als große Byōbugemälde im Wechsel von minutiösen Details mit japanischem leerem Raum neuen Realismus in die japanische Malerei brachte. Seine Schüler, der virtuose Rosetsu und Goshun, der Gründer der Shijōschule, trugen diesen Stil weiter. Im Kunstgewerbe ist für die Keramik die Entwicklung von der chinesisch-koreanisch beeinflussten Momoyamazeit zu einem charakteristisch japanischen Stil kennzeichnend. Künstler. Anregung gaben nach wie vor die Teezeremonie und ihr Bedarf an unregelmäßigem, fühlbar rauem irdenem Chaki (Teegerät), den in Kyōto (Kyō-yaki) die Meister Ninsei, Ogata Kenzan und die Rakuwerkstatt mit Kōetsu deckten, während in Hizen (auf Kyūshū) Sakaida Kakiemon (* 1596, ✝ 1666) die Porzellanherstellung durch anmutig-sparsame Schmelzmalerei bereicherte und verfeinerte. Die qualitativ beste und dekorativ edelste Ware, die im Gegensatz zum Imariporzellan (Aritaporzellan) nicht zur Ausfuhr bestimmt war, lieferten die Öfen von Ōkōchi, die das Porzellan für die Fürsten Nabeshima herstellten, und von Mikochi (Hiradoporzellan). Weitere bekannte Werkstätten waren die von Kutani, Hagi und Satsuma. Bedingt durch das Luxusbedürfnis der Zeit, waren auch Lackkunst und Schwertschmiedekunst hoch entwickelt, verloren jedoch gegen Ende der Periode durch Unsicherheit des Stilgefühls an Qualität. Als neue Kunst entstand die Schnitzerei der Netsuke.
 
 Meijizeit (1868-1912) und die Zeit bis 1945
 
Die Meijizeit war v. a. die Periode der raschen Verwestlichung in allen Lebensbereichen. Das Studium westlicher Malerei wurde gefördert und alle westlich orientierten Richtungen unter dem Begriff »Yōga« (europäische Malerei) zusammengefasst, im Unterschied zur japanischen Malerei, dem »Nihonga«. Nach dem Niedergang der traditionellen Werkstätten wurden die Künstlervereinigungen Plattform und Rückhalt für die zahllosen Maler; 1889 entstand eine erste Vereinigung von Ölmalern. Von großer Bedeutung war die Vereinigung »Hakubakai« (weißes Pferd) der Avantgarde von 1896, die von Kuroda Seiki (* 1866, ✝ 1924) geleitet wurde, der an der Kunstakademie in Tokio als Erster die europäische Malerei vermittelte. Je nach Stilrichtung, wie Jugendstil, Symbolismus, Kubismus, Dadaismus, Neorealismus oder Surrealismus, entstanden weitere Vereinigungen und Abspaltungen. Durch Fauvismus und Surrealismus wurde von den japanischen Malern die einfache Linie, die seit den Tagen der Fresken des Hōryūji Grundlage der japanischen Malerei gewesen war, zugunsten einer Maltechnik aufgegeben, die die Konturen mit Farben auszudrücken versuchte. Schon in den 1880er-Jahren setzte eine Reaktion gegen die Fremdeinflüsse und Rückbesinnung auf alte Traditionen ein, angeregt durch den amerikanischen Philosophie-Professor an der Universität Tokio E. Fenollosa und seinen Schüler, den Maler Okakura Kakuzō. In der Kunstschule des Kōno Bairei wurde die Naturnähe der Maruyama- und Shijōschule fortgesetzt. In Tokio übernahm 1888 die staatliche Kunsthochschule die Förderung der japanischen Malerei. Mitbegründer war Kanō Hōgai (* 1828, ✝ 1888), einer der letzten Meister der Kanōschule. Yokoyama Taikan (* 1868, ✝ 1958) setzte den Stil der Tuschmalerei, Takeuchi Seihō (* 1864, ✝ 1942) den der Shijōschule fort. In der Art der Nanga malte z. B. Komuro Suiun, in der Art des Yamato-e Matsuoka Eikyū. Der letzte eigenwillige Vertreter der Literatenmalerei war Tomioka Tessai (* 1836, ✝ 1924), Ukiyo-e und Yamato-e erlebten besonders in den Frauenbildern der Malerin Uemura Shōen (* 1875, ✝ 1949) eine moderne Variante. Die Bildhauerei dagegen richtete sich ganz nach europäischem Muster (A. Rodin), bis auf eine Schule, die die traditionelle Holzplastik weiterführte. Die Keramik erlebte einen Aufschwung durch Tomimoto Kenkichi (* 1886, ✝ 1963). Die Architektur war von Historismus, Jugendstil und internationalem Stil beeinflusst, es fand ein reger Austausch zwischen westlichen und japanischen Architekten statt: Der britische Architekt Josiah Conder, seit 1876 in Tokio, wurde der erste Architekturlehrer an der Kaiserlichen Universität in Tokio; das Architektenbüro Ende & Böckmann, Berlin, errichtete 1895 das Justizministerium, 1896 den Nationalen Gerichtshof; F. L. Wright baute 1918-23 in Tokio das Hotel Imperial (1966 abgebrochen). Japanische Architekten des Historismus waren u. a. Katayama Tokuma (Kronprinzenpalast, 1895-1909) und Tatsuno Kingo (Hauptbahnhof, Tokio, 1911-14); 1920 bildeten Studenten der Universität Tokio eine Sezession (Bunriha Kenchkukai): Mitglieder waren u. a. Yamada Mamoru und Horiguchi Sutemi, die auch expressionistische Entwürfe lieferten. Nach 1930 entwickelte sich eine eigenständige Moderne: Vertreter sind Yoshida Tetsurō (Zentralpostamt, Tokio, 1934, und Ōsaka, 1939), Yamaguchi Bunzō (Gropius-Schüler), Sakakura Junzō (Schüler von Le Corbusier) und Murano Tōgo. Horiguchi, Murano und Yamaguchi entwickelten, beeinflusst von Bruno Taut, der 1933-36 in Japan wirkte, neben modernen auch traditionelle Bauformen weiter.
 
 Gegenwart (seit 1945)
 
Die Kunst der Gegenwart setzt sich aus unterschiedlichen Stilrichtungen zusammen. Künstlervereinigungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg wirkten, wurden wieder belebt beziehungsweise erneuerten sich, aber auch »klassische« Künstler wie Yokoyama Taikan (Tuschmalerei), Uemura Shōen (* 1875, ✝ 1949), Kaburagi Kiyotaka (* 1878, ✝ 1972) und Itō Shinsui (* 1898, ✝1972; Frauendarstellungen im Ukiyo-e-Stil) waren weiter tätig. Higashiyama Kai'i (* 1908) errang mit seinen großflächigen Tuschgemälden internationale Anerkennung. Im Gegensatz zu dieser überwiegend traditionsgebundenen Malerei bildete sich eine Avantgarde international orientierter Kunst heraus in engem Kontakt mit der zeitgenössischen Kunst in den USA und Europa. Andererseits geht z. B. die Happening-Kunst im Westen auf Anregungen aus Japan (Gutai-Gruppe) zurück. Die Kunst der 80er- und 90er-Jahre behauptet eine eigenständige Position zwischen Tradition und Avantgarde, asiatische Sensibilität und westliche Formensprache. Besonders Künstler wie Asano Yae (* 1914), Masuda Satoko (* 1961) und Murakami Tomoharu (* 1938) entwickeln die abstrakte Malerei im Sinne einer meditativen Kalligraphie weiter.
 
Die meditativen Traditionen des Zen kommen auch im bildnerischen Bereich zum Tragen, z. B. bei den an japanischen Vasen erinnernden bemalten Einzelobjekten von Nishikawa Katsuhito (* 1949), den scheinbar schwebenden schwerelosen Objekten von Uematsu Keiji (* 1947) und den in blaues Licht getauchten kargen Räumen von Katase Kazuo (* 1947). Die Holzbildhauer inszenieren ihre Werke oft raumgreifend, neben Kenmochi Kazuo (* 1951), Matsui Shiro (* 1960), Toya Shigeo (* 1947), Tsuchiya Kimio (* 1955), Fujii Chuichi (* 1941) ist Kawamata Tadashi (* 1953) mit seinen architekturbezogenen Projekten zu nennen. Endō Toshikatsu (* 1950) schafft mit den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft Symbole gegen die Umweltzerstörung. Als Metall- und Steinbildhauer sind Wakabayashi Isamu (* 1936), Suga Kishio (* 1944) und Aoki Noe (* 1958) hervorgetreten, die in ihren Arbeiten die Wechselwirkung zwischen Natur und Technik thematisieren. Eher westlich orientierten ästhetischen Fragen stellen sich Künstler wie Morimura Yasumasa (* 1951), Ōtake Shinro (* 1955), Matsui Shiro (* 1960). Der Teilnehmer der »documenta 9«, Funakoshi Katsura (* 1951), beschäftigt sich in seinen poetisch bemalten Figuren und Halbfiguren (im Wesentlichen aus Holz) mit dem Menschen des Alltags.
 
Die Medienkunst wird v. a. von den Künstlern Miyajima Tatsuo (* 1957) und Nomura Hitoshi (* 1945) repräsentiert. Die inszenierte Fotografie vertritt international Sugimoto Hiroshi (* 1948).
 
Zur japanischen Kunst gehört traditionsgemäß auch das Kunsthandwerk, das sowohl Anregungen aus dem Bereich der freien Kunst aufnimmt als diese auch prägt. Bei der Wiederbelebung traditioneller Brenntechniken an alten Ofenstätten (den ehemaligen Keramikzentren) fanden v. a. die Neuschöpfungen alten Stils der Töpfer Hamada Shōji (* 1894, ✝ 1977) in Mashiko und Arakawa Toyozō (* 1894) in Seto und Shino weltweite Beachtung. Die Tradition der Metall-, Keramik-, Lack-, Textil-, Glas- und Korbarbeiten wird in der Gegenwart von Künstlern wie Itō Moegi (* 1942), Suzuki Kyū (* 1947), Yokokura Shinya (* 1956), Katō Yoshikata (* 1951), Aoki Kiyotaka (* 1957), Ōzeki Shichirō (* 1940), Idei Mami (* 1954), Ochiai Nao (* 1954) und Kudō Nao (* 1955) weiterentwickelt.
 
Die japanische Architektur erhielt durch Tange Kenzō Weltruf (Friedenszentrum, Hiroshima, 1955; Rathaus Tokio, 1957; Kagawa-Präfekturgebäude, Takamatsu, 1958; Olympiahallen, Tokio, 1964; Rathaus des Stadtbezirkes Shinjuku-ku, Tokio 1991). Zusammen mit Maekawa Kunio, der 1928-30 bei Le Corbusier arbeitete (Festhalle in Tokio, 1961), Antonin Raymond (Bürogebäude für Reader's Digest in Tokio, 1952; Gunma Musikhalle, ebenda, 1961) und Sakakura (Museum of Modern Art, Kamakura, 1951) bestimmte er die Nachkriegsarchitektur in Japan. 1960 formierten sich die Metabolisten: Isozaki Arata, Kikutake Kiyonori (* 1928), Kurokawa Kisho, Maki Fumihiko (* 1928), Otaka Masato (* 1923) u. a. Vom Zusammenwirken traditioneller Methoden, zeitgenössischer Materialien und modernster Technik geprägt, zum Teil besonders ökologisch orientiert, zum Teil stark purifiziert, sind u. a. die Bauten vom Team Zoo (Rathaus, Nago auf Okinawa, 1981), von Yoshizaka Takamasa (* 1917, ✝ 1980; Inter-Universitäts-Seminar, Tokio, 1966), von Shinoara Kazuo (* 1925), Aida Takefumi (* 1937), Andō Tadao. Traditionelle Symbolik spielt in der Architektur von Takamatsu Shin (* 1948) und Mozuna Monta (* 1941), die bewusst die Moderne karikieren, eine Rolle. Im Zuge der Expansion und Umgestaltung japanischer Metropolen boomte die Architektur in den 80er- und 90er-Jahren. Mit ausgereiften neomodernen Bauten errang v. a. Maki Fumihiko erneut Aufmerksamkeit, so mit seinem Geschäfts- und Kulturzentrum »Spirale« (1984-85) in Tokio, der Städtischen Sporthalle (1984) in Fujisawa, dem Nationalmuseum für moderne Kunst (1986) in Kyōto und dem Tepia-Haus (1989), einem Wissenschafts- und Präsentationszentrum (Tepia steht für Technologie-Utopia) in Tokio. Ein Schiffsmast akzentuiert sein Center for the Arts (1993) in San Francisco (Calif.). Zu den bemerkenswerten Bauten anderer Metabolisten gehören z. B. das Museum für zeitgenössische Kunst in Hiroshima (1988) von Kurokawa Kishō sowie das Kulturzentrum in Mito (1986-90) und das Museum der Wissenschaften, Kultur und Künste (»Domus«) in La Coruña (1995 eröffnet) des vielseitigen Isozaki Arata. Fujii Hiromi (* 1935) sieht im Dekonstruktivismus eine Möglichkeit, eingefahrene Wahrnehmungsmuster aufzubrechen und lässt so die gerasterten Rahmenelemente seiner Bauten kippen. Eher der Maschinenästhetik einer Hightecharchitektur huldigen Bauten von Shinoara Kazuo, besonders bekannt das TIT (Tokyo Institute of Technology, Jahrhunderthalle, Tokio, 1987-88) oder die aggressiven, in ihrer Symbolik auf die Konsumwelt Bezug nehmenden Bauten von Takamatsu Shin (Kirin Plaza, Einkaufszentrum aus vier Hochhaustürmen, Ōsaka, 1987; das Mode-»Dampfschiff« Syntax, Kyōto, 1990; das Quasar-Haus, Berlin, 1991-94). Einen postmodernen Mix japanischer und europäischer Hausformen bilden die Gästepavillons der Sukiya-yu-Anlage (1989) von Ishii Katsuhiro (* 1944). Die Architektin Hasegawa Itsuko (* 1941) nutzt die technologischen Möglichkeiten auch dafür, auf die Bedeutung der Natur anzuspielen; so ahmt die Bedachung Wolken oder Wellen nach oder steigt und fällt wie Hügellinien (Bizan-Halle, Shizuoka, 1982-84; Shonandai-Kulturzentrum, Fujisawa, 1989; Wohneinheit Dorf Cona, 260 Apartments, Amagasaki, 1990). Ähnliches versuchte auch Hara Hiroshi (* 1936) in seinem Yamato International Building in Tokio (1987). Andō Tadao bezieht in seine stille und leise Architektursprache Natur ein (Kirche über dem Wasser, Hokkaidō, 1988; buddhistischer Wassertempel, unter einem Teich angelegt, Awaji, 1991). Den japanischen Pavillon für die »Expo'92« in Sevilla baute Andō als ein symbolisches, aus japanischen Schriftzügen gewonnenes Zeichen für die Tradition und Moderne verbindende japanische Kultur (1989-91). Mit Aufsehen erregenden Bogenkonstruktionen und Experimenten mit ungewöhnlichen Materialien wurde Shigeru Ban bekannt, der für die »EXPO 2000« in Hannover den mehrgeschossigen japanischen Papierpavillon entwarf.
 
 
R. Hempel: Holzschnittkunst Japans (1963);
 P. Swann: Japan. Von der Jōmōn- zur Tokugawa-Zeit (a. d. Engl., 1965);
 B. von Ragué: Gesch. der jap. Lackkunst (1967);
 J. Fontein u. R. Hempel: China, Korea u. Japan (Neuausg. 1973);
 R. Goepper: Meisterwerke des jap. Farbenholzschnitts (1973);
 R. Goepper: Kunst u. Kunsthandwerk Ostasiens (Neuausg. 1978);
 
Japan's cultural history, hg. vom Ministry of Foreign Affairs (Tokio 1973);
 
Art in Japan today, hg. v. S. Takashina u. a. (ebd. 1974);
 A. Tamburello: Japan (a. d. Ital., 1975);
 T. Immoos u. E. Halpern: Jap. Tempel, Gärten u. Paläste (Neuausg. 1978);
 E. Kraft: Illustrierte Hss. u. Drucke aus Japan, 12.-19. Jh., Ausst.-Kat. (1981);
 O. H. Noetzel: Netsuke. Gesch., Meister, Motive (1981);
 
Japan. Hss. u. traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868, bearb. v. E. Kraft u. a., 2 Bde. (1982-86);
 R. Violet: Einf. in die Kunst Japans (Leipzig 21987);
 
Yakimono-ten. Traditionelle jap. Keramik der Gegenwart, bearb. v. F.-J. Christiani (1989);
 
J. K. der achtziger Jahre, hg. v. F. Nanjo u. P. Weiermair, Ausst.-Kat. (Schaffhausen 1990);
 Akiyama Terukazu: Die Jap. Malerei (a. d. Frz., Genf 1990);
 Die neue jap. Architektur, bearb. v. B. Bognar (a. d. Amerikan., 1991);
 
Ukiyoe. Jap. Farbholzschnitte u. Malereien von Meistern, bearb. v. W. Zacken, Ausst.-Kat. Galerie Zacke, Wien (Wien 1991);
 M. Fujii-Zelenak: Strukturen in den modernen Architekturen. Pier Luigi Nervi - Kenzo Tange. Ein Vergleich europ. u. jap. Architekturkultur (1992);
 
13 jap. Künstler. Kunst der 90er Jahre, bearb. v. Y. Fujimoto u. a., Ausst.-Kat. (1993);
 
New wave Japanese architecture, bearb. v. K. Kurokawa (London 1993);
 
Contemporary Japanese architects, hg. v. D. Meyhöfer (Köln 1993);
 
Shin Hanga. Holzschnittkunst Japans in der ersten Hälfte unseres Jh., bearb. v. W. Zacken, Ausst.-Kat. Galerie Zacke Wien (Wien 1993);
 
Jap. Landschaften, bearb. v. Yang Enlin (1994);
 
Jap. Design seit 1950, bearb. v. K. B. Hiesinger u. F. Fischer, Ausst.-Kat. Kunsthalle Düsseldorf (a. d. Amerikan., 1995).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Chanoyu und Ikebana: Wege der Selbstbildung
 
japanisches Wohnhaus und japanischer Garten: Die Ästhetik des Raums
 
japanische Kunsthandwerker: Lackmeister, Töpfer und Waffenschmiede
 
japanische Malerei: Der Blick in Raum und Zeit
 
japanische Plastik: Buddha-Figur und Porträt
 
Tempel, Schrein und Pagode in Japan
 

Universal-Lexikon. 2012.

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